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Diplomacy & Defense Think Tank News

Was Trump, Xi und Putin uns über Machtpolitik lehren

SWP - Mon, 20/04/2026 - 15:39
Donald Trump, Xi Jinping und Wladimir Putin lehren: Wer im Umgang mit Großmächten souverän und in Würde sein will, sollte selbst eine sein. Für Deutschland heißt das: Mitführung für europäische Kollektivmacht.

Podcast 'fossilfrei' - #41: Treibhausgas-Projektionen: erreichen wir unsere Klimaziele?

Heute spricht 'fossilfrei' Host Wolf-Peter Schill mit Kai Wehnemann darüber, ob Deutschland seine Klimaziele erreicht und welche Rolle dabei die von ihm betreuten Treibhausgas-Projektionen des Umweltbundesamts spielen. Als Hintergrund erklärt Kai Wehnemann, wie aufwändig, aber auch wie transparent ...

Krieg der Zukunft: Kampf im Weltall

SWP - Mon, 20/04/2026 - 15:11
Was einst reine Science-Fiction war, rückt zunehmend in den Fokus globaler Machtpolitik: ein möglicher Krieg im Weltall. Wie gut ist die Bundeswehr auf solch ein Szenario vorbereitet?

Multipolarities – The World-Order Visions of Others

SWP - Mon, 20/04/2026 - 14:59

“Multipolarity” has become a central but, at the same time, highly am­biguous point of reference in debates about the future world order. The term is used descriptively, that is, to describe shifts in the distribution of power; and it is also used normatively, as an aspirational construct for a more just international order. However, as the following comparative analysis of seven countries shows, there is no coherent understanding of the term even in those countries that are pushing for multipolarity. Sharp dividing lines are evident between the United States, which has long understood the construct of multipolarity as being at odds with its strategic interests, and Russia and China, which both associate it with challenging US hegemony. However, while Russia is striving for a disruptive and violent transformation, China is aiming for an evolutionary one. Other states – above all, India and South Africa – hope that multipolarity will provide them with greater foreign-policy room for manoeuvre. And some derive their own reform proposals at the multilateral level from their understanding of the construct. Germany and the EU must rigorously examine the various interpretations and uses of the construct of multipolarity. They should not dismiss the term as irrelevant or inherently anti-Western as it can provide a common frame of reference on international politics. At the same time, its unreflec­tive use carries risks, as the term is highly politicised and associated with what are at times the conflicting goals of a broad range of international actors. Rather than simply participating in conceptual debates, Germany and the EU should take concrete steps towards reforming the international order in policy areas such as trade, health, energy and climate. At the same time, they should regard the call for multipolarity as an indicator of the need for broad reforms of the international system and initiate negotiation processes with other states. To this end, they must first establish their own reference points with regard to the future international order so that they can identify suitable partners and institutions.

Claudia Kemfert: „Kein Kerosin-Blackout, aber eine gefährliche Stressprobe“

Wegen des Iran-Kriegs wächst die Sorge, dass es zu Engpässen bei der Kerosin-Versorgung kommt. Dazu eine Einschätzung von Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin:

Deutschland steht derzeit nicht vor einem akuten Kerosin-Blackout, aber vor einer ernsthaften Stressprobe. Die Versorgung ist noch stabil, doch anhaltende geopolitische Spannungen treiben Preise und erhöhen den Druck auf die Infrastruktur. Am Ende zahlen vor allem Verbraucher*innen die Rechnung dieser fossilen Krisenabhängigkeit. Das ist der Preis der verschleppten Energiewende.  

Aktuell ist Deutschland noch mit Kerosin versorgt, aber die Lage ist angespannt. Ein Großteil des Kerosins stammt aus heimischen und europäischen Raffinerien, insbesondere aus dem Nordwesteuropa-Raum rund um Rotterdam. Gleichzeitig ist Europa stark importabhängig und globale Lieferketten, etwa über die Straße von Hormus, spielen eine zentrale Rolle. Das macht das System krisenanfällig, auch wenn es aktuell noch stabil wirkt. 

Ein Kerosin-Mangel kann abgewendet werden, wenn schnell gegengesteuert wird. Entscheidend sind zusätzliche Importe, etwa aus den USA, eine höhere Auslastung der Raffinerien sowie der Zugriff auf strategische Reserven. Die Bundesregierung kann hier koordinierend eingreifen, Importwege flexibilisieren und die Verteilung priorisieren. Letztlich ist das aber eine europäische Aufgabe, die enge Abstimmung erfordert.

Reisende müssen sich derzeit eher auf höhere Preise als auf flächendeckende Ausfälle von Flügen einstellen. Airlines könnten bei anhaltender Knappheit einzelne Verbindungen reduzieren, vor allem weniger profitable Strecken. Ein genereller Zusammenbruch des Flugverkehrs ist aber nicht zu erwarten. Die Entwicklung wird sich zunächst über Preise und punktuelle Anpassungen im Flugplan zeigen.  


Kleine Schnellboote gegen große Kriegsschiffe: Iran kontrolliert mit seiner „Moskitoflotte“ die Straße von Hormus

SWP - Mon, 20/04/2026 - 12:13
Der Iran setzt durch seine Blockade der Straße von Hormus die Weltwirtschaft unter Druck. Das gelingt ihm mit einer guerillaartigen Taktik der Revolutionsgarden.

Gaza invisibilisée

IRIS - Mon, 20/04/2026 - 12:11

Alors que l’attention internationale se focalise sur le cessez-le-feu fragile entre l’Iran et les États-Unis, ou sur les tensions au Liban, la situation à Gaza reste catastrophique et pourtant invisibilisée.

Tous les otages israéliens ont été libérés, mais rien n’est résolu. 1,5 million de Gazaouis font face à une crise nutritionnelle majeure. L’UNICEF et les organismes onusiens ne peuvent plus intervenir. Pas d’accès à l’eau, à la nourriture, aux soins, à l’éducation. Des enfants qui vivent depuis deux ans et demi sous les bombardements et le bruit des drones.

En Cisjordanie, les violences de l’armée israélienne se multiplient impunément. Des Palestiniens sont tués, blessés, leurs biens détruits, et la peur est omniprésente. De même, dans les prisons israéliennes, les tortures continuent, comme en témoigne le cas de Marwan Barghouti, figure palestinienne emblématique, dont la vie est aujourd’hui menacée.

Pendant ce temps, Israël avance sans annexion officielle, mais en grignotant chaque jour un peu plus de territoire. Ainsi la question se pose : la solution à deux États est-elle encore possible ? Ou assistons-nous, dans l’indifférence générale, à la disparition de toute perspective de paix ?

L’article Gaza invisibilisée est apparu en premier sur IRIS.

EU Enlargement: Ukraine as a Special Case – the Western Balkans as the Norm

SWP - Mon, 20/04/2026 - 11:00

Since Russia launched its full-scale war of aggression against Ukraine in 2022, the European Union (EU) has pursued its enlargement policy as part of a geopolitical approach. According to the European Commission and candidate states, the EU could admit new members from 2028 onwards, while Ukraine is calling for accession in 2027. Yet significant obstacles remain. Within the EU, the reform process designed to improve its capacity to act and prepare it for a Union of 30 or more has stalled. However, the readiness of accession candidates and the Union’s absorption capacity are key criteria that German European policy has traditionally upheld. There is cur­rently intense debate within the EU regarding gradual integration, fast-track routes, and new safeguard clauses aimed at reducing the tension between geopolitical urgency and sound integration policy. With regard to the Western Balkan states, the EU should adhere to the well-established accession process. In the case of Ukraine, the situation is so acute that the political commitment to admit the country must be reaffirmed. As a preliminary step towards membership, the EU should offer Kyiv a new type of accession association that also includes a security and defence dimension.

Anna Bindler: „Kriminalität und Sicherheitswahrnehmung haben relevante ökonomische und gesellschaftliche Folgen“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025 vorgestellt. Es folgt eine Einschätzung von Anna Bindler, Leiterin der Abteilung Kriminalität, Arbeit und Ungleichheit im DIW Berlin:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt insgesamt einen Rückgang in registrierten Straftaten um 5,6 Prozent im Vergleich zu 2024 (ohne ausländerrechtliche Verstöße um 4,4 Prozent), bei Gewaltkriminalität einen Rückgang um 2,3 Prozent. Diese Zahlen reihen sich in längerfristige Entwicklungen ein: Die Kriminalitätsraten sind – bereinigt um ausländerrechtliche Verstöße – seit den 1990er‑Jahren im Trend gesunken.

Effektive Kriminalitätsbekämpfung, insbesondere im Bereich der Prävention, bleibt aber zentral. Denn Kriminalität kostet: Sie belastet den Staat unter anderem durch Polizei- und Justizkosten und verursacht in der Gesellschaft erhebliche (auch finanzielle) Schäden. Neben der erfassten Kriminalität sind Wahrnehmungen von Kriminalität gesellschaftlich und ökonomisch relevant. Unsere Auswertungen der Daten des Sozio‑oekonomischen Panels (SOEP) zeigen zum Beispiel, dass sich in manchen Jahren trotz sinkender Kriminalitätsraten die Sorgen vor Kriminalität erhöht haben. Beides – Kriminalität und das subjektive Sicherheitsgefühl – hat ökonomische Folgen und beeinflusst auch Mobilität und Arbeitsmarktverhalten von Menschen. Das zeigen auch die heute vorgestellten Ergebnisse der Dunkelfeldstudie Sicherheit und Kriminalität in Deutschland (SKiD) für das Jahr 2024.

Internationale Studien schätzen die gesamtwirtschaftlichen Kosten von Kriminalität (materielle Schäden, Folgen für die Opfer, aber auch Vermeidungsverhalten aus Angst) auf bis zu zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das unterstreicht die Relevanz einer evidenzbasierten Kriminalitätsprävention und Opferunterstützung. Dazu gehören aus ökonomischer Sicht eine kluge Wirtschafts- und Sozialpolitik, um in der Wissenschaft aufgezeigte sozio-ökonomische Faktoren für Kriminalität präventiv anzugehen, sowie eine sachliche Berichterstattung und verantwortungsvolle politische Rhetorik, um keine unnötigen Ängste auszulösen.

Die Ergebnisse der PKS müssen dabei mit Vorsicht interpretiert werden. Sie erfasst Verdachtsfälle und bildet das Hellfeld ab. Damit haben neben der Kriminalitätsentwicklung selbst auch das Meldeverhalten in der Bevölkerung und die Prioritätensetzung in der polizeilichen Arbeit einen Einfluss auf die Statistik. Insgesamt bietet die PKS damit nur eine Annäherung an die reale Kriminalitätsentwicklung und sollte gemeinsam mit den Ergebnissen der Dunkelfeldstudien (SKiD, LeSuBiA) interpretiert werden.


Building social cohesion through livelihood support in climate-related internal displacement settings: evidence from Zimbabwe and Mozambique

Climate-related extreme weather events are increa-singly displacing communities across Southern Africa, with negative implications for social cohesion, livelihoods, and community resilience. Understanding how displacement erodes social cohesion is important for developing strategies for restoring it. Evidence shows that livelihood support interventions, for example, cash‑based assistance, in-kind transfers (agricultural inputs) up to skills development programmes, are a pathway for mending or strengthening social cohesion in displacement contexts. Yet, in some cases, they can further fragment it. This requires strategies under which such interventions can be deployed to positively shape social cohesion outcomes.
This Policy Brief synthesises insights from qualitative research conducted from 2023 to 2025 with displaced communities and host populations in Zimbabwe (Chimanimani and Tsholotsho districts) and Mozambique (Guara Guara, Grudja and Praia Nova). It examines how livelihood interventions can either rebuild or further fragment social cohesion, identifies critical factors driving cohesion outcomes, and provides evidence-based recommendations for national governments, humanitarian actors, and development co-operation actors working in climate-displacement contexts across Southern Africa.
In Zimbabwe, vertical social cohesion in displacement contexts is eroded by a lack of designated policies on displacement, leading to poor socioeconomic outcomes for displaced individuals; ad hoc recovery and reconstruction efforts that undermine durable solutions and long-term recovery; and a lack of accountability infrastructure that undermines trust in the government. In Mozambique, the slow implementation and unequal distribution of recovery interventions undermine cooperation between communities and the institutions involved in post-disaster recovery efforts. This has led to large-scale returns of people to high-risk areas.
Drawing insights from both case studies, we provide key recommendations and conditions for implementing livelihood support to achieve social cohesion in climate-related displacement contexts.
Key policy messages
• Livelihood interventions can lead to maladaptation if not supported by strong governance mechanisms including policy frameworks and institutional coordination in planning and implementation.
• People-centred, area-based approaches to livelihood programming that account for pre-displacement livelihoods and support post-displacement transitions, while benefiting both displaced populations and host communities, should be adopted. One-size-fits-all interventions risk undermining economic recovery and social cohesion.
• Horizontal and vertical social cohesion indicators should be embedded in livelihood programmes from the outset to assess the social impacts before and after implementation.
• Inclusive, participatory decision-making in the delivery of livelihood support programmes should be mandated to prevent exclusionary practices that erode trust in institutions.

Dr Tomy Ncube is a postdoctoral researcher affiliated with the Centre for International Development Innovation at the Ryan Institute, University of Galway, and the School of Geography, Archaeology and Irish Studies.

Building social cohesion through livelihood support in climate-related internal displacement settings: evidence from Zimbabwe and Mozambique

Climate-related extreme weather events are increa-singly displacing communities across Southern Africa, with negative implications for social cohesion, livelihoods, and community resilience. Understanding how displacement erodes social cohesion is important for developing strategies for restoring it. Evidence shows that livelihood support interventions, for example, cash‑based assistance, in-kind transfers (agricultural inputs) up to skills development programmes, are a pathway for mending or strengthening social cohesion in displacement contexts. Yet, in some cases, they can further fragment it. This requires strategies under which such interventions can be deployed to positively shape social cohesion outcomes.
This Policy Brief synthesises insights from qualitative research conducted from 2023 to 2025 with displaced communities and host populations in Zimbabwe (Chimanimani and Tsholotsho districts) and Mozambique (Guara Guara, Grudja and Praia Nova). It examines how livelihood interventions can either rebuild or further fragment social cohesion, identifies critical factors driving cohesion outcomes, and provides evidence-based recommendations for national governments, humanitarian actors, and development co-operation actors working in climate-displacement contexts across Southern Africa.
In Zimbabwe, vertical social cohesion in displacement contexts is eroded by a lack of designated policies on displacement, leading to poor socioeconomic outcomes for displaced individuals; ad hoc recovery and reconstruction efforts that undermine durable solutions and long-term recovery; and a lack of accountability infrastructure that undermines trust in the government. In Mozambique, the slow implementation and unequal distribution of recovery interventions undermine cooperation between communities and the institutions involved in post-disaster recovery efforts. This has led to large-scale returns of people to high-risk areas.
Drawing insights from both case studies, we provide key recommendations and conditions for implementing livelihood support to achieve social cohesion in climate-related displacement contexts.
Key policy messages
• Livelihood interventions can lead to maladaptation if not supported by strong governance mechanisms including policy frameworks and institutional coordination in planning and implementation.
• People-centred, area-based approaches to livelihood programming that account for pre-displacement livelihoods and support post-displacement transitions, while benefiting both displaced populations and host communities, should be adopted. One-size-fits-all interventions risk undermining economic recovery and social cohesion.
• Horizontal and vertical social cohesion indicators should be embedded in livelihood programmes from the outset to assess the social impacts before and after implementation.
• Inclusive, participatory decision-making in the delivery of livelihood support programmes should be mandated to prevent exclusionary practices that erode trust in institutions.

Dr Tomy Ncube is a postdoctoral researcher affiliated with the Centre for International Development Innovation at the Ryan Institute, University of Galway, and the School of Geography, Archaeology and Irish Studies.

Building social cohesion through livelihood support in climate-related internal displacement settings: evidence from Zimbabwe and Mozambique

Climate-related extreme weather events are increa-singly displacing communities across Southern Africa, with negative implications for social cohesion, livelihoods, and community resilience. Understanding how displacement erodes social cohesion is important for developing strategies for restoring it. Evidence shows that livelihood support interventions, for example, cash‑based assistance, in-kind transfers (agricultural inputs) up to skills development programmes, are a pathway for mending or strengthening social cohesion in displacement contexts. Yet, in some cases, they can further fragment it. This requires strategies under which such interventions can be deployed to positively shape social cohesion outcomes.
This Policy Brief synthesises insights from qualitative research conducted from 2023 to 2025 with displaced communities and host populations in Zimbabwe (Chimanimani and Tsholotsho districts) and Mozambique (Guara Guara, Grudja and Praia Nova). It examines how livelihood interventions can either rebuild or further fragment social cohesion, identifies critical factors driving cohesion outcomes, and provides evidence-based recommendations for national governments, humanitarian actors, and development co-operation actors working in climate-displacement contexts across Southern Africa.
In Zimbabwe, vertical social cohesion in displacement contexts is eroded by a lack of designated policies on displacement, leading to poor socioeconomic outcomes for displaced individuals; ad hoc recovery and reconstruction efforts that undermine durable solutions and long-term recovery; and a lack of accountability infrastructure that undermines trust in the government. In Mozambique, the slow implementation and unequal distribution of recovery interventions undermine cooperation between communities and the institutions involved in post-disaster recovery efforts. This has led to large-scale returns of people to high-risk areas.
Drawing insights from both case studies, we provide key recommendations and conditions for implementing livelihood support to achieve social cohesion in climate-related displacement contexts.
Key policy messages
• Livelihood interventions can lead to maladaptation if not supported by strong governance mechanisms including policy frameworks and institutional coordination in planning and implementation.
• People-centred, area-based approaches to livelihood programming that account for pre-displacement livelihoods and support post-displacement transitions, while benefiting both displaced populations and host communities, should be adopted. One-size-fits-all interventions risk undermining economic recovery and social cohesion.
• Horizontal and vertical social cohesion indicators should be embedded in livelihood programmes from the outset to assess the social impacts before and after implementation.
• Inclusive, participatory decision-making in the delivery of livelihood support programmes should be mandated to prevent exclusionary practices that erode trust in institutions.

Dr Tomy Ncube is a postdoctoral researcher affiliated with the Centre for International Development Innovation at the Ryan Institute, University of Galway, and the School of Geography, Archaeology and Irish Studies.

Digital labour opportunities and (im)mobility: steps for making digital remote work a global possibility

This policy brief offers advice for making digital remote work a viable solution to fill labour gaps without requiring workers to physically relocate. From a technology standpoint, there is no reason someone who does computer-based work must physically relocate, assuming they have the required job skills and internet connectivity. The increased use of bilateral labour agreements (BLAs) between countries is evidence that there are major skills gaps and global competition for labour. Indeed, a BLA can serve as a “policy sandbox” where governments negotiate the legal and statutory terms of digital remote work. Digital remote work can be an especially useful solution when the country providing labour has a large pool of people who are willing to work and fill labour pool gaps in countries of employment, but for different legal or personal reasons cannot relocate across borders. This latter point is no small thing: there is a significant body of migration research showing that the majority of people are not interested in moving across borders – or in the case of many refugees are unable to do so. The reasons for this are myriad. Digital labour could be a workaround to meet basic labour demand and facilitate economic inclusion. The word “could” is critical because banking, social and health insurance, and taxation, all of which are components of legal employment, remain bordered. This policy brief will focus on a specific case from research on urban refugee livelihoods where the worker was able to work digitally in the U.S. from Malaysia, while being subject to social security, taxation and insurance in the U.S. The idiosyncrasies in this case help point to spaces for reforming social security, tax and insurance rules to reduce their “bordered-ness” and make digital work more systematically viable.
Key policy messages:
• To make digital remote work viable at scale, development cooperation agencies should play a key facilitator role, linking relevant authorities in the tax, social insurance and banking regulation sectors. This is especially important for refugees, who often cannot move and who fall outside the protection of host country labour laws. These reforms could, for example, be built into BLAs.
• Achieving inclusive economic development goals via digital employment would require that remote workers earned competitive salaries. Thus, there would need to be buy-in from the private sector regarding wage competitiveness for workers in different countries, as well as a role for unions and civil society in negotiating digital remote work policy.
• While digital work can enable greater economic and labour participation for workers who cannot relocate for jobs, there are still sectors that require physical presence. Thus, digital remote work is not a replacement for immigration policy that facilitates safe and flexible migration for those people who do have to move.

Digital labour opportunities and (im)mobility: steps for making digital remote work a global possibility

This policy brief offers advice for making digital remote work a viable solution to fill labour gaps without requiring workers to physically relocate. From a technology standpoint, there is no reason someone who does computer-based work must physically relocate, assuming they have the required job skills and internet connectivity. The increased use of bilateral labour agreements (BLAs) between countries is evidence that there are major skills gaps and global competition for labour. Indeed, a BLA can serve as a “policy sandbox” where governments negotiate the legal and statutory terms of digital remote work. Digital remote work can be an especially useful solution when the country providing labour has a large pool of people who are willing to work and fill labour pool gaps in countries of employment, but for different legal or personal reasons cannot relocate across borders. This latter point is no small thing: there is a significant body of migration research showing that the majority of people are not interested in moving across borders – or in the case of many refugees are unable to do so. The reasons for this are myriad. Digital labour could be a workaround to meet basic labour demand and facilitate economic inclusion. The word “could” is critical because banking, social and health insurance, and taxation, all of which are components of legal employment, remain bordered. This policy brief will focus on a specific case from research on urban refugee livelihoods where the worker was able to work digitally in the U.S. from Malaysia, while being subject to social security, taxation and insurance in the U.S. The idiosyncrasies in this case help point to spaces for reforming social security, tax and insurance rules to reduce their “bordered-ness” and make digital work more systematically viable.
Key policy messages:
• To make digital remote work viable at scale, development cooperation agencies should play a key facilitator role, linking relevant authorities in the tax, social insurance and banking regulation sectors. This is especially important for refugees, who often cannot move and who fall outside the protection of host country labour laws. These reforms could, for example, be built into BLAs.
• Achieving inclusive economic development goals via digital employment would require that remote workers earned competitive salaries. Thus, there would need to be buy-in from the private sector regarding wage competitiveness for workers in different countries, as well as a role for unions and civil society in negotiating digital remote work policy.
• While digital work can enable greater economic and labour participation for workers who cannot relocate for jobs, there are still sectors that require physical presence. Thus, digital remote work is not a replacement for immigration policy that facilitates safe and flexible migration for those people who do have to move.

Digital labour opportunities and (im)mobility: steps for making digital remote work a global possibility

This policy brief offers advice for making digital remote work a viable solution to fill labour gaps without requiring workers to physically relocate. From a technology standpoint, there is no reason someone who does computer-based work must physically relocate, assuming they have the required job skills and internet connectivity. The increased use of bilateral labour agreements (BLAs) between countries is evidence that there are major skills gaps and global competition for labour. Indeed, a BLA can serve as a “policy sandbox” where governments negotiate the legal and statutory terms of digital remote work. Digital remote work can be an especially useful solution when the country providing labour has a large pool of people who are willing to work and fill labour pool gaps in countries of employment, but for different legal or personal reasons cannot relocate across borders. This latter point is no small thing: there is a significant body of migration research showing that the majority of people are not interested in moving across borders – or in the case of many refugees are unable to do so. The reasons for this are myriad. Digital labour could be a workaround to meet basic labour demand and facilitate economic inclusion. The word “could” is critical because banking, social and health insurance, and taxation, all of which are components of legal employment, remain bordered. This policy brief will focus on a specific case from research on urban refugee livelihoods where the worker was able to work digitally in the U.S. from Malaysia, while being subject to social security, taxation and insurance in the U.S. The idiosyncrasies in this case help point to spaces for reforming social security, tax and insurance rules to reduce their “bordered-ness” and make digital work more systematically viable.
Key policy messages:
• To make digital remote work viable at scale, development cooperation agencies should play a key facilitator role, linking relevant authorities in the tax, social insurance and banking regulation sectors. This is especially important for refugees, who often cannot move and who fall outside the protection of host country labour laws. These reforms could, for example, be built into BLAs.
• Achieving inclusive economic development goals via digital employment would require that remote workers earned competitive salaries. Thus, there would need to be buy-in from the private sector regarding wage competitiveness for workers in different countries, as well as a role for unions and civil society in negotiating digital remote work policy.
• While digital work can enable greater economic and labour participation for workers who cannot relocate for jobs, there are still sectors that require physical presence. Thus, digital remote work is not a replacement for immigration policy that facilitates safe and flexible migration for those people who do have to move.

Warum Städte biobasierte Materialien brauchen

Bonn, 20. April 2026. Der Umbau unserer Städte braucht mehr als CO2-armen Zement. Bio-Materialien können Emissionen senken, Arbeitsplätze und lokale Wirtschaftskreisläufe stärken – aber werden oft übersehen. 

Vom 20. - 22. April suchen Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Industrie auf dem Sustainable Buildings and Construction Summit in Lausanne nach Lösungen zur Dekarbonisierung der bebauten Umwelt. Der Druck ist enorm. Der Gebäudesektor verursacht jährlich mehr als ein Drittel der globalen CO2-Emissionen, während die Urbanisierung in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rasant wächst – besonders in Subsahara-Afrika. Entscheidend ist, ob Lösungen schnell verfügbar und realisierbar sind und wirtschaftliche Vorteile bieten. International gilt CO2-armer Beton wie LC3 häufig als schnelle Lösung, weil er kaum Verfahrensanpassungen braucht. Wirtschaftliche Impulse sind jedoch begrenzt – sie könnten wachsen, wenn biobasierte Materialien den Baumix ergänzen.

Viele Länder in Subsahara-Afrika stehen vor drei Herausforderungen. Erstens müssen sie Wohnraum für eine schnell wachsende, oft einkommensschwache Stadtbevölkerung schaffen. Bereits heute fehlen ca. 50 Millionen Wohneinheiten; bis 2030 könnten es 130 Millionen sein. Zweitens steht die Schaffung von Arbeitsplätzen im Zentrum politischer Agenden. In Kenia etwa drängt jährlich rund eine Million junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Drittens geht es darum, die wirtschaftliche Entwicklung auf einen umweltfreundlicheren Pfad zu lenken. Infrastruktur und Gebäude machen diese Weichenstellung besonders folgenreich: CO2-intensives Bauen verschlechtert die Emissionsbilanz, heizt die Städte auf und erschwert die Wiederverwendung von Materialien. Da ein Großteil der Gebäude in Subsahara-Afrika erst noch entstehen wird, besteht die Chance, kostspielige Nachrüstungen zu vermeiden – vorausgesetzt, dies geht mit notwendigen Veränderungen im Bausektor des Globalen Nordens einher.

Die Umstellung auf CO2-armen Beton kann diese Herausforderungen nur teilweise adressieren: die Bereitstellung von Wohnraum und die Dekarbonisierung des Bauwesens. LC3 erfordert nur minimale Anpassungen in Zementfabriken und wird wie herkömmlicher Beton verarbeitet. Modellrechnungen zeigen, dass sich das Material insbesondere für mehrstöckige Gebäude eignet, wo sein CO2-Fußabdruck geringer ist als der einer Kombination aus biobasierten Materialien und gebrannten Tonziegeln. Für diese Gebäudetypen ist LC3 daher sinnvoll. Viele Häuser in Subsahara-Afrika sind jedoch einstöckig, auch in Zukunft. Die Emissionen hängen also in hohem Maße von der Materialzusammensetzung und den Transportwegen ab.

Hier kommen biobasierte Materialien ins Spiel. Bislang werden sie unterschätzt, obwohl sie alle drei Herausforderungen zugleich adressieren können. Verbesserte Lehmziegel, Holz oder Bambus sind kostengünstig und arbeitsintensiver als LC3. Sie schaffen lokale Wertschöpfung, fördern kleine und mittlere Unternehmen und reduzieren Transportkosten, da sie vor Ort produziert werden können. Für den sozialen Wohnungsbau sind sie besonders geeignet: Studien aus Ruanda zeigen, dass die Wandbaukosten um 60 % oder mehr sinken können – durch verbesserte Produktionsstandards auch ohne Einbußen bei Stabilität und Haltbarkeit. Unsere Untersuchungen zeigen zudem, dass biobasierte Materialien in Kigali umweltfreundlichere und bessere Arbeitsplätze schaffen können. Eine flächendeckende Einführung scheitert bislang an Hindernissen auf Angebots- und Nachfrageseite, darunter geringes Bewusstsein sowie die Wahrnehmung mangelnder Qualität, die den Zugang zu Finanzierung erschweren.

Daraus ergibt sich ein klar zu definierender hybrider Ansatz: LC3 für mehrstöckige Gebäude und tragende Konstruktionen sowie biobasierte Materialien für einstöckige Wohnhäuser und nichttragende Innenwände, wo diese oft günstiger und lokal besser geeignet sind. In Ruanda muss die Regierung klare Vorgaben machen, damit Unternehmen auf diese Materialien umstellen. Ähnliche hybride Ansätze sind in ganz Subsahara-Afrika vielversprechend, doch die Anwendung biobasierter Materialien erfordert lokal verankerte Forschung. Geeignete Materialien hängen ab von a) der Art des Bodens und den lokal verfügbaren Materialien, b) der Importabhängigkeit bei Zement, Stahl usw. sowie c) den Transport- und Lebenszykluskosten. Nachhaltiges Holz und Myzel mögen für Europa geeignet sein, Bambus für Asien, während in Subsahara-Afrika stabilisierte Lehmziegel, Erd-Zement-Mischungen und Pflanzen wie Rohrkolben ein großes Potenzial bieten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sollte die wirtschaftlichen Zusatznutzen und das Entwicklungspotenzial für lokale Unternehmen, die mit biobasierten Materialien arbeiten, international stärker hervorheben. In der eigenen Projektarbeit sollte nachhaltigeres Bauen als Ziel verankert werden, einschließlich der Nutzung biobasierter Materialien zur Schaffung grüner Arbeitsplätze. Die konkreten biobasierten Materialien und die zu unterstützenden Wertschöpfungsketten müssen im Vorfeld für jedes Land sorgfältig analysiert werden, insbesondere hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität von Erde, der Import-Export-Struktur und Zölle für Baumaterialien, der Marktbedingungen sowie Engpässe auf Angebots- und Nachfrageseite. Gleichzeitig erfordert die Anwendung biobasierter Materialien politischen Willen vor Ort, um sich gegen Interessen im Bausektor durchzusetzen, sowie klare staatliche Vorgaben, die Orientierung bieten und gleiche Wettbewerbsbedingungen für nachhaltige Alternativen schaffen. Dieser Weg mag langsamer erscheinen als andere Lösungen, ist jedoch realisierbar und dürfte den wirtschaftlichen Nutzen für die Partnerländer erhöhen.

Warum Städte biobasierte Materialien brauchen

Bonn, 20. April 2026. Der Umbau unserer Städte braucht mehr als CO2-armen Zement. Bio-Materialien können Emissionen senken, Arbeitsplätze und lokale Wirtschaftskreisläufe stärken – aber werden oft übersehen. 

Vom 20. - 22. April suchen Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Industrie auf dem Sustainable Buildings and Construction Summit in Lausanne nach Lösungen zur Dekarbonisierung der bebauten Umwelt. Der Druck ist enorm. Der Gebäudesektor verursacht jährlich mehr als ein Drittel der globalen CO2-Emissionen, während die Urbanisierung in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rasant wächst – besonders in Subsahara-Afrika. Entscheidend ist, ob Lösungen schnell verfügbar und realisierbar sind und wirtschaftliche Vorteile bieten. International gilt CO2-armer Beton wie LC3 häufig als schnelle Lösung, weil er kaum Verfahrensanpassungen braucht. Wirtschaftliche Impulse sind jedoch begrenzt – sie könnten wachsen, wenn biobasierte Materialien den Baumix ergänzen.

Viele Länder in Subsahara-Afrika stehen vor drei Herausforderungen. Erstens müssen sie Wohnraum für eine schnell wachsende, oft einkommensschwache Stadtbevölkerung schaffen. Bereits heute fehlen ca. 50 Millionen Wohneinheiten; bis 2030 könnten es 130 Millionen sein. Zweitens steht die Schaffung von Arbeitsplätzen im Zentrum politischer Agenden. In Kenia etwa drängt jährlich rund eine Million junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Drittens geht es darum, die wirtschaftliche Entwicklung auf einen umweltfreundlicheren Pfad zu lenken. Infrastruktur und Gebäude machen diese Weichenstellung besonders folgenreich: CO2-intensives Bauen verschlechtert die Emissionsbilanz, heizt die Städte auf und erschwert die Wiederverwendung von Materialien. Da ein Großteil der Gebäude in Subsahara-Afrika erst noch entstehen wird, besteht die Chance, kostspielige Nachrüstungen zu vermeiden – vorausgesetzt, dies geht mit notwendigen Veränderungen im Bausektor des Globalen Nordens einher.

Die Umstellung auf CO2-armen Beton kann diese Herausforderungen nur teilweise adressieren: die Bereitstellung von Wohnraum und die Dekarbonisierung des Bauwesens. LC3 erfordert nur minimale Anpassungen in Zementfabriken und wird wie herkömmlicher Beton verarbeitet. Modellrechnungen zeigen, dass sich das Material insbesondere für mehrstöckige Gebäude eignet, wo sein CO2-Fußabdruck geringer ist als der einer Kombination aus biobasierten Materialien und gebrannten Tonziegeln. Für diese Gebäudetypen ist LC3 daher sinnvoll. Viele Häuser in Subsahara-Afrika sind jedoch einstöckig, auch in Zukunft. Die Emissionen hängen also in hohem Maße von der Materialzusammensetzung und den Transportwegen ab.

Hier kommen biobasierte Materialien ins Spiel. Bislang werden sie unterschätzt, obwohl sie alle drei Herausforderungen zugleich adressieren können. Verbesserte Lehmziegel, Holz oder Bambus sind kostengünstig und arbeitsintensiver als LC3. Sie schaffen lokale Wertschöpfung, fördern kleine und mittlere Unternehmen und reduzieren Transportkosten, da sie vor Ort produziert werden können. Für den sozialen Wohnungsbau sind sie besonders geeignet: Studien aus Ruanda zeigen, dass die Wandbaukosten um 60 % oder mehr sinken können – durch verbesserte Produktionsstandards auch ohne Einbußen bei Stabilität und Haltbarkeit. Unsere Untersuchungen zeigen zudem, dass biobasierte Materialien in Kigali umweltfreundlichere und bessere Arbeitsplätze schaffen können. Eine flächendeckende Einführung scheitert bislang an Hindernissen auf Angebots- und Nachfrageseite, darunter geringes Bewusstsein sowie die Wahrnehmung mangelnder Qualität, die den Zugang zu Finanzierung erschweren.

Daraus ergibt sich ein klar zu definierender hybrider Ansatz: LC3 für mehrstöckige Gebäude und tragende Konstruktionen sowie biobasierte Materialien für einstöckige Wohnhäuser und nichttragende Innenwände, wo diese oft günstiger und lokal besser geeignet sind. In Ruanda muss die Regierung klare Vorgaben machen, damit Unternehmen auf diese Materialien umstellen. Ähnliche hybride Ansätze sind in ganz Subsahara-Afrika vielversprechend, doch die Anwendung biobasierter Materialien erfordert lokal verankerte Forschung. Geeignete Materialien hängen ab von a) der Art des Bodens und den lokal verfügbaren Materialien, b) der Importabhängigkeit bei Zement, Stahl usw. sowie c) den Transport- und Lebenszykluskosten. Nachhaltiges Holz und Myzel mögen für Europa geeignet sein, Bambus für Asien, während in Subsahara-Afrika stabilisierte Lehmziegel, Erd-Zement-Mischungen und Pflanzen wie Rohrkolben ein großes Potenzial bieten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sollte die wirtschaftlichen Zusatznutzen und das Entwicklungspotenzial für lokale Unternehmen, die mit biobasierten Materialien arbeiten, international stärker hervorheben. In der eigenen Projektarbeit sollte nachhaltigeres Bauen als Ziel verankert werden, einschließlich der Nutzung biobasierter Materialien zur Schaffung grüner Arbeitsplätze. Die konkreten biobasierten Materialien und die zu unterstützenden Wertschöpfungsketten müssen im Vorfeld für jedes Land sorgfältig analysiert werden, insbesondere hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität von Erde, der Import-Export-Struktur und Zölle für Baumaterialien, der Marktbedingungen sowie Engpässe auf Angebots- und Nachfrageseite. Gleichzeitig erfordert die Anwendung biobasierter Materialien politischen Willen vor Ort, um sich gegen Interessen im Bausektor durchzusetzen, sowie klare staatliche Vorgaben, die Orientierung bieten und gleiche Wettbewerbsbedingungen für nachhaltige Alternativen schaffen. Dieser Weg mag langsamer erscheinen als andere Lösungen, ist jedoch realisierbar und dürfte den wirtschaftlichen Nutzen für die Partnerländer erhöhen.

Warum Städte biobasierte Materialien brauchen

Bonn, 20. April 2026. Der Umbau unserer Städte braucht mehr als CO2-armen Zement. Bio-Materialien können Emissionen senken, Arbeitsplätze und lokale Wirtschaftskreisläufe stärken – aber werden oft übersehen. 

Vom 20. - 22. April suchen Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Industrie auf dem Sustainable Buildings and Construction Summit in Lausanne nach Lösungen zur Dekarbonisierung der bebauten Umwelt. Der Druck ist enorm. Der Gebäudesektor verursacht jährlich mehr als ein Drittel der globalen CO2-Emissionen, während die Urbanisierung in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rasant wächst – besonders in Subsahara-Afrika. Entscheidend ist, ob Lösungen schnell verfügbar und realisierbar sind und wirtschaftliche Vorteile bieten. International gilt CO2-armer Beton wie LC3 häufig als schnelle Lösung, weil er kaum Verfahrensanpassungen braucht. Wirtschaftliche Impulse sind jedoch begrenzt – sie könnten wachsen, wenn biobasierte Materialien den Baumix ergänzen.

Viele Länder in Subsahara-Afrika stehen vor drei Herausforderungen. Erstens müssen sie Wohnraum für eine schnell wachsende, oft einkommensschwache Stadtbevölkerung schaffen. Bereits heute fehlen ca. 50 Millionen Wohneinheiten; bis 2030 könnten es 130 Millionen sein. Zweitens steht die Schaffung von Arbeitsplätzen im Zentrum politischer Agenden. In Kenia etwa drängt jährlich rund eine Million junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Drittens geht es darum, die wirtschaftliche Entwicklung auf einen umweltfreundlicheren Pfad zu lenken. Infrastruktur und Gebäude machen diese Weichenstellung besonders folgenreich: CO2-intensives Bauen verschlechtert die Emissionsbilanz, heizt die Städte auf und erschwert die Wiederverwendung von Materialien. Da ein Großteil der Gebäude in Subsahara-Afrika erst noch entstehen wird, besteht die Chance, kostspielige Nachrüstungen zu vermeiden – vorausgesetzt, dies geht mit notwendigen Veränderungen im Bausektor des Globalen Nordens einher.

Die Umstellung auf CO2-armen Beton kann diese Herausforderungen nur teilweise adressieren: die Bereitstellung von Wohnraum und die Dekarbonisierung des Bauwesens. LC3 erfordert nur minimale Anpassungen in Zementfabriken und wird wie herkömmlicher Beton verarbeitet. Modellrechnungen zeigen, dass sich das Material insbesondere für mehrstöckige Gebäude eignet, wo sein CO2-Fußabdruck geringer ist als der einer Kombination aus biobasierten Materialien und gebrannten Tonziegeln. Für diese Gebäudetypen ist LC3 daher sinnvoll. Viele Häuser in Subsahara-Afrika sind jedoch einstöckig, auch in Zukunft. Die Emissionen hängen also in hohem Maße von der Materialzusammensetzung und den Transportwegen ab.

Hier kommen biobasierte Materialien ins Spiel. Bislang werden sie unterschätzt, obwohl sie alle drei Herausforderungen zugleich adressieren können. Verbesserte Lehmziegel, Holz oder Bambus sind kostengünstig und arbeitsintensiver als LC3. Sie schaffen lokale Wertschöpfung, fördern kleine und mittlere Unternehmen und reduzieren Transportkosten, da sie vor Ort produziert werden können. Für den sozialen Wohnungsbau sind sie besonders geeignet: Studien aus Ruanda zeigen, dass die Wandbaukosten um 60 % oder mehr sinken können – durch verbesserte Produktionsstandards auch ohne Einbußen bei Stabilität und Haltbarkeit. Unsere Untersuchungen zeigen zudem, dass biobasierte Materialien in Kigali umweltfreundlichere und bessere Arbeitsplätze schaffen können. Eine flächendeckende Einführung scheitert bislang an Hindernissen auf Angebots- und Nachfrageseite, darunter geringes Bewusstsein sowie die Wahrnehmung mangelnder Qualität, die den Zugang zu Finanzierung erschweren.

Daraus ergibt sich ein klar zu definierender hybrider Ansatz: LC3 für mehrstöckige Gebäude und tragende Konstruktionen sowie biobasierte Materialien für einstöckige Wohnhäuser und nichttragende Innenwände, wo diese oft günstiger und lokal besser geeignet sind. In Ruanda muss die Regierung klare Vorgaben machen, damit Unternehmen auf diese Materialien umstellen. Ähnliche hybride Ansätze sind in ganz Subsahara-Afrika vielversprechend, doch die Anwendung biobasierter Materialien erfordert lokal verankerte Forschung. Geeignete Materialien hängen ab von a) der Art des Bodens und den lokal verfügbaren Materialien, b) der Importabhängigkeit bei Zement, Stahl usw. sowie c) den Transport- und Lebenszykluskosten. Nachhaltiges Holz und Myzel mögen für Europa geeignet sein, Bambus für Asien, während in Subsahara-Afrika stabilisierte Lehmziegel, Erd-Zement-Mischungen und Pflanzen wie Rohrkolben ein großes Potenzial bieten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sollte die wirtschaftlichen Zusatznutzen und das Entwicklungspotenzial für lokale Unternehmen, die mit biobasierten Materialien arbeiten, international stärker hervorheben. In der eigenen Projektarbeit sollte nachhaltigeres Bauen als Ziel verankert werden, einschließlich der Nutzung biobasierter Materialien zur Schaffung grüner Arbeitsplätze. Die konkreten biobasierten Materialien und die zu unterstützenden Wertschöpfungsketten müssen im Vorfeld für jedes Land sorgfältig analysiert werden, insbesondere hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität von Erde, der Import-Export-Struktur und Zölle für Baumaterialien, der Marktbedingungen sowie Engpässe auf Angebots- und Nachfrageseite. Gleichzeitig erfordert die Anwendung biobasierter Materialien politischen Willen vor Ort, um sich gegen Interessen im Bausektor durchzusetzen, sowie klare staatliche Vorgaben, die Orientierung bieten und gleiche Wettbewerbsbedingungen für nachhaltige Alternativen schaffen. Dieser Weg mag langsamer erscheinen als andere Lösungen, ist jedoch realisierbar und dürfte den wirtschaftlichen Nutzen für die Partnerländer erhöhen.

Towards an urban political ecology of coastal land reclamation

Coasts, deltas and estuaries have been reshaped for generations by land reclamation projects for the purposes of expanding settlements and agricultural lands as well as protecting coasts. Since the mid-twentieth century, technical progress has allowed for land reclamation to occur at an unprecedented speed and scale. Regardless of the key role that land reclamation has had in the past as well as in more recent coastal urbanisation efforts, the issue has received insufficient attention from human geographers, urban political ecologists and marine social scientists. In this paper, I aim to advance the land reclamation research by suggesting a new conceptual framework that combines concepts and empirical insights from urban political ecology (UPE), anthropology, political geography and political economy. This approach considers the representational, legal and material dimensions of urban coastal mega-projects and helps to identify those who benefit and those who lose due to land reclamation. I conclude that a focus on land reclamation can help to understand that ‘land’ is a fundamental requirement for urbanisation. Land in coastal cities is not ‘out there’; it has to be created. To investigate the making of land requires integrating the often-neglected coastal geomorphologies, marine sites of sediment extraction and understanding how they are discursively shaped and transformed by human interventions on urban coasts into UPE.

Towards an urban political ecology of coastal land reclamation

Coasts, deltas and estuaries have been reshaped for generations by land reclamation projects for the purposes of expanding settlements and agricultural lands as well as protecting coasts. Since the mid-twentieth century, technical progress has allowed for land reclamation to occur at an unprecedented speed and scale. Regardless of the key role that land reclamation has had in the past as well as in more recent coastal urbanisation efforts, the issue has received insufficient attention from human geographers, urban political ecologists and marine social scientists. In this paper, I aim to advance the land reclamation research by suggesting a new conceptual framework that combines concepts and empirical insights from urban political ecology (UPE), anthropology, political geography and political economy. This approach considers the representational, legal and material dimensions of urban coastal mega-projects and helps to identify those who benefit and those who lose due to land reclamation. I conclude that a focus on land reclamation can help to understand that ‘land’ is a fundamental requirement for urbanisation. Land in coastal cities is not ‘out there’; it has to be created. To investigate the making of land requires integrating the often-neglected coastal geomorphologies, marine sites of sediment extraction and understanding how they are discursively shaped and transformed by human interventions on urban coasts into UPE.

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