The Turkish government’s declaration of 2025 as the “Year of the Family” reflects an increasingly authoritarian approach to managing demographic decline amid conditions of economic strain. Falling fertility rates are framed as a strategic challenge to national resilience, giving rise to a policy agenda that positions the family as the cornerstone of demographic recovery. At the same time, anti-gender politics has moved beyond ideological rhetoric towards a broader governance strategy linking demographic management, fiscal constraints, and authoritarian consolidation. For Germany and the European Union (EU), understanding these developments is essential for engaging Turkey on democratic governance, social policy, and gender equality.
Seit Russland 2022 seinen vollumfänglichen Aggressionskrieg gegen die Ukraine begonnen hat, verfolgt die EU ihre Erweiterungspolitik unter geopolitischen Vorzeichen. Wie es bei der Europäischen Kommission und bei Kandidatenstaaten inzwischen heißt, könnte die EU ab 2028 neue Mitglieder aufnehmen; die Ukraine fordert sogar, 2027 beizutreten. Doch hohe Hürden stehen der Erweiterung im Weg. In der EU stagniert der Reformprozess, der ihre Handlungsfähigkeit verbessern und sie für eine Mitgliederzahl von 30 oder mehr fit machen soll. Beitrittsreife der Bewerber und Absorptionskraft der Union sind aber Schlüsselkriterien, die die deutsche Europa-Politik traditionell hochhält. In der EU wird nun intensiv über schrittweise Integration, neue Schnellspuren und zusätzliche Sicherheitsklauseln debattiert, um den Zielkonflikt zwischen geopolitischer Dringlichkeit und integrationspolitischer Solidität zu minimieren. Gegenüber den Staaten des Westbalkans sollte die EU am erprobten Beitrittsprozess festhalten. Im Fall der Ukraine ist die Lage so akut, dass es die politische Verpflichtung, das Land aufzunehmen, zu bekräftigen gilt. Als Vorstufe zur Mitgliedschaft sollte die EU Kyjiw eine Beitrittsassoziierung neuen Typs anbieten, die auch eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft umfasst.
The Pax Americana, which guaranteed the security of Germany and Europe after the Second World War, is coming to an end. Europe can no longer rely on its alliance and partnership with the United States. Even before Donald Trump’s second presidency, Europe was seeking to reduce its dependency on Washington for peace, democracy and prosperity. This cannot be achieved overnight, and will require a significant increase in material resources and strategic thinking over the next five to ten years. The fourteen contributions to this SWP Research Paper show how different the starting conditions for developing transition strategies are, depending on the policy area and challenges. Europe needs to consider all the options: with, without or even against Washington. The analyses of Europe’s agency and the scope for European policy towards Russia, the Middle East and China are very wide-ranging. Trump’s logic of quick deal-making and unilateralism under the banner of “MAGA” often collides fundamentally with the EU’s multilateral foreign and security policy, which is bound by international law, and its commitment to sustainable peace. The keywords for the urgent reorganisation of security in Europe are: Europeanisation of NATO, strengthening Europe’s own military capabilities, new leadership constellations for security policy in Europe, and resilient governance in technology and cybersecurity. Even at this geopolitical turning-point (“Zeitenwende”), the EU should continue to develop its soft power. When it comes to the crucial questions of global governance – from UN and international law to trade, climate and energy policy – Europe must find new partnerships and, if necessary, new institutional solutions without and against the United States.
The parliamentary elections held in Bangladesh on 12 February 2026 marked a turning point in the country’s recent history. In August 2024, Prime Minister Sheikh Hasina, who had served for a total of 20 years, with one interruption, was removed from office. An interim government led by Nobel Peace Prize laureate Muhammad Yunus subsequently took power. Following two years of political uncertainty, it succeeded in organising elections that were procedurally sound. Bangladesh’s political system has thus demonstrated a considerable degree of institutional resilience. At the same time, the election outcome raises new questions regarding the future of democratic pluralism in the country. The decisive election victory of the Bangladesh Nationalist Party (BNP) means that one of the country’s two historic political family dynasties will remain at the helm of government. The Muslim fundamentalist camp gained vote share, which could negatively impact the role of women in society as well as complicate Bangladesh’s renewed rapprochement with neighbouring India.
Die Blockade der Straße von Hormus beeinträchtigt derzeit bis zu 30 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports und lässt globale Energiepreise steigen. Die Auswirkungen auf Dünger und Agrarprodukte erfolgen über mehrere Kanäle: Steigende Energiepreise verteuern die energieintensive Düngerproduktion und somit die Agrarproduktion weltweit. Zudem erhöhen sie die Logistik- und Transportkosten aller Produkte, inklusive Nahrungsmittel, weltweit. Daneben zählen viele der Golfstaaten zu den bedeutenden Düngemittelexporteuren. Fallen diese Lieferungen aus, steigen die Preise weiter. Allein in den vergangenen Wochen verteuerte sich etwa Harnstoff, ein wichtiger Referenzwert für viele Düngerpreise, teils um 40 Prozent. Damit liegt er jedoch immer noch unter dem Niveau kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Viele Länder sind von Importen bei Energie und Dünger abhängig. Besonders die Agrarstaaten Brasilien und Indien sowie viele afrikanische Staaten beziehen Stickstoffdünger unmittelbar aus der Golfregion. Die EU ist ebenfalls auf umfangreiche Düngerimporte angewiesen, bezieht diese aber nach wie vor zu einem großen Teil aus Russland, gefolgt von Ägypten und Marokko je nach Düngerkomponente.
Zielkonflikt zwischen Landwirtschaft, Düngerindustrie und AußenpolitikInfolge des russischen Angriffs auf die Ukraine wurden Energielieferungen aus Russlandzunehmend sanktioniert. Dies unterstützte auch das eigene Wirtschaftsziel der EU, unabhängiger von der russischen Energieversorgung zu werden. Nach wie vor tragen aber umfangreiche EU-Importe von Dünger zu russischen Einnahmen bei. Dem soll nun seit Sommer 2025 durch stark ansteigende Zölle auf Stickstoffdünger ein Riegel vorgeschoben werden.
Dadurch wurden schon vor der Blockade der Straße von Hormus durch den erwarteten Preisanstieg bei Dünger in der Landwirtschaft Sorgen ausgelöst: Es würden zu den bereits steigenden Kosten, etwa durch zunehmende Bürokratie, nun zusätzliche Belastungen hinzukommen. Zur Entlastung werden derzeit verschiedene Maßnahmen diskutiert: Für Verbraucher zieht Deutschland eine Senkung der Mehrwertsteuer für Nahrungsmittel in Betracht. Zudem werden Zollsenkungen für Düngerimporte vorgeschlagen wobei die erhöhten Zölle gegenüber Russland bestehen bleiben sollen. Auch Ausnahmen für Dünger vom nun gestarteten europäischen CO2-Grenzausgleich (CBAM) könnten die Abgaben an der EU-Grenze senken.
Solche Entlastungen bei den Düngerpreisen stoßen jedoch bei den europäischen Düngerproduzenten auf Kritik: Eine stärkere Importkonkurrenz könnte die ohnehin schon seit Längerem kontinuierlich sinkende eigene Produktion der EU zusätzlich schwächen und bestehende Abhängigkeiten noch verstärken. Zwar sank der Verbrauch, etwa von Stickstoffdünger, in den vergangenen Jahrzehnten in der EU deutlich, doch fiel auch die eigene Produktion stark. Insgesamt beträgt die Importabhängigkeit der EU je nach Düngertypus bis zu 60 Prozent.
Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen können die strukturelle Verwundbarkeit globaler Lieferketten aber nicht beheben. Um für zukünftige Krisen vorbereitet zu sein, sollten Störungen im internationalen Handel und Transport stärker in politische Vorsorgeüberlegungen einbezogen werden.
Vorausschauende maritime Transportpolitik als Bestandteil wirtschaftlicher ResilienzDer Seetransport ist eine zentrale Infrastruktur für die Versorgung durch den Welthandel und sollte daher systematisch als Politikfeld betrachtet werden. Für Schlüsselrouten könnte ein Beobachtungssystem kontinuierlich Risiken erfassen, die sich aus Erfahrungen mit vergangenen Krisen ergeben. Diese unterscheiden sich je nach Route und reichen von Krieg, Terrorismus und Piraterie bis zu klimabedingten Faktoren wie sinkenden Wasserständen oder Überschwemmungen. Zudem sind auch Länder individuell verwundbar bei verschiedenen Gütern, deren Versorgung über unterschiedliche Routen mit ihren jeweiligen Störrisiken erfolgt. Entlastungsmaßnahmen sollten diese Unterschiede durch vorausschauend und zielgerichtet geplante Hilfslieferungen berücksichtigen.
Anliegerländer von Passagen, die durch sich anbahnende unterschiedliche Krisen gestört werden, aber auch Transitländer für Transportalternativen über Land sollten rechtzeitig in Kooperationen eingebunden werden. Prinzipiell sollte der Seehandel stärker in handelspolitische Entscheidungen einbezogen werden: So könnten Handelsabkommen auch Investitionen in Zufahrts- und Hafenstrukturen umfassen und damit die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten erhöhen.
Die Koordination hat Paweł Tokarski übernommen.
Die Staatsstreiche in Mali (2020/21), Burkina Faso (2022) und Niger (2023) haben nicht nur innenpolitische Veränderungen im Sahel mit sich gebracht, sondern auch eine außenpolitische Disruption. Die Militärjuntas haben einen weitgehenden Bruch mit Europa vollzogen und etablierte sicherheits- und entwicklungspolitische Kooperationen beendet. Die Studie geht der Frage nach, welche Handlungsoptionen die EU und ihre Mitgliedstaaten im Sahel noch haben. Dazu werden relevante strategische Entwicklungen in Mali und Niger seit der Machtergreifung durch das Militär analysiert. Darauf aufbauend werden denkbare und plausible Zukunftsszenarien für beide Länder bis 2030 skizziert. Die zunehmende Fragilität der Militärregime macht abrupte politische Wendungen in der Zukunft wahrscheinlich – sei es durch interne Machtkämpfe, erneute Putsche, staatliche Erosion oder militärische Erfolge jihadistischer Aufstandsbewegungen. Ein militärischer Sieg der jihadistischen Gruppe Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin in Mali liegt im Bereich des Vorstellbaren. Angesichts dieser Entwicklungen sollte sich Europa stärker im Sahel engagieren, auch wenn die Einflussmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind. Hinzu kommen Zielkonflikte und Dilemmata, die sich aus den unterschiedlichen europäischen Interessen und Handlungsmotiven ergeben. Europa sollte versuchen, die negativen politischen und sicherheitspolitischen Dynamiken zu begrenzen sowie zu verhindern, dass die Instabilität sich regional ausweitet. Dies erfordert einen pragmatischen Umgang mit den Militärregierungen und eine sorgfältige Abwägung von Chancen und Risiken.